Seetalbahn

Das Projekt einer Seetalbahn ist eines der ersten bekannt
gewordenen Bahnprojekte unseres Landes. Das steht im
Wochenblatt für den Kanton Luzern anno 1837.
Das sind nur wenige Jahre später, als man in England die
ersten Eisenbahnen erstellte.

Und das ist Hochdorf anno dazumal!
Hier auf diesem Aquarell sind um diese Zeit die Häuser
noch mit Holztafeln bedeckt.

1852  diskutierte man wieder über die Verbindung Luzern-
Basel durchs Seetal. Und da 1869 der Bau der
Gotthardlinie beschlossen wurde, kam ebenfalls die
Variante durchs Seetal in Frage.



Plan um 1865
Hochdorf war damals, d. h. um 1865 ein Bauerndorf mit
Handwerkern und kleinem Gewerbe. Und da sollte nun
durch das aufkommende Eisenbahnfieber die Seebahn,
wie es damals auch hiess, durchfahren.

Ein Projekt wurde erarbeitet und an der
Aktionärsversammlung vom 28. Dezember 1874 wurde der
damalige Regierungsrat und spätere Bundesrat
Josef A. Schobinger als Präsident ins Amt gewählt. Man
wollte eine schmalspurige Strassenbahn bauen. Doch es
kam anders.

Eine in der Mitte der Siebziger-Jahren aufkommende
Wirtschaftskrise und der in den Konkurs gehenden
Nationalbahn  setzen dem Projekt einen Dämpfer auf.

In dieser schwierigen Zeit, wo viele Schweizer und
Schweizerinnen nach Amerika auswanderten, kam die
frohe Botschaft aus Zürich, ein gewisser Herr Theodor
Lutz, Ingenieur, hätte ein Buch mit dem Bau von
Strassenbahnen verfasst.

1877 schickte man (beauftragte) Fürsprech Dr. Meyer aus
Hochdorf nach Zürich um ihn ins Seetal einzuladen.

Für Th. Lutz, damals arbeitslos, war dies sehr
willkommen. Bereits im Laufe des Jahres 1878
unterbreitete Lutz die Pläne dem Komitee.

Doch so schnell ging das nicht. Zuerst musste das nötige
Geld aufgetrieben werden und die vorgeschlagene
Linienführung musste abgeändert werden.

So hofften die Bürger von Hochdorf den Bahnhof beim
Kirchplatze neben dem Schulhaus zu bauen, dort, wo
früher die Versammlungen der Gemeinde stattfanden.

Die Idee, den Bahnhof beim Hotel Hirschen zu bauen,
wurde dann verwirklicht. Der damalige Dünkelweiher oder
Fröschenweiher, wie man ihn auch nannte, sowie die
Scheune mussten dem Projekt weichen.

1880 wurde dann die Finanzierung durch die Engländer
gesichert, nachdem Theodor Lutz persönlich in England
verhandelte. Im Frühling 1881 zügelte die Familie Lutz
nach Hochdorf in ein altes Patrizierhaus und Vater Lutz
musste sein Büro zuerst im Hotel Hirschen einrichten.

Der Bau der Strassenbahn ging zügig voran, obwohl
Ingenieur Lutz beim Landerwerb mit Landbesitzern seine
Probleme hatte.

Emma Lutz schreibt u. a. so:

„Mit dem Fortschreiten der ersten Arbeiten beschäftigte
sich die Bevölkerung des Tales immer mehr mit der Bahn,
da man sah, dass es doch ernst galt. Vor- und Nachteile
wurden abgewogen; am Wirtstisch, wie im Familienkreise
spielte die Bahn das Tagesgespräch. Es gab so viel zu
kritisieren und zu rügen, besonders von den Alten; denn
diese erwarteten von der Bahn gar nichts gutes; solch ein
Forschritt sei nur ein Sittenverderbnis... . Andere sahen
ihre Kulturen bedroht.“


Am 3. September 1883 fuhr die erste Bahn von
Emmenbrücke nach Beinwil. Die erste Lokomotive wurde
auf den Namen „Hochdorf“ getauft.

Am 15. Oktober wurde die Linie Emmenbrücke-Lenzburg
eröffnet. Und später folgten die Linien Beinwil-Reinach und
Lenzburg-Wildegg.
Die Seetalbahn war die erste und einzige
Normalspurstrassenbahn der Schweiz.

Erst später, nachdem am 3. September 1883 die Bahn durchs Seetal fuhr,
wurden die einzelnen Bahnhöfe vollendet.
 


Bahnhof Eschenbach


Bahnhof Ballwil


Bahnhof und Verwaltungsgebäude Hochdorf


Bahnhof Menziken-Reinach

Mit dem ersten offiziellen Fahrplan machte die
Seethalbahn, welche anfangs noch den Engländern
gehörte, Werbung.

5 Züge fuhren von Hochdorf nach Luzern und umgekehrt.

Einige Worte zur neuen Bahn und wie sie bei der
Bevölkerung ankam.

Doch erst 1889, als Theophil Schmidlin Direktor der Bahn
wurde, kehrt die neue Zeit in Hochdorf ein. Die Bahn und
der Direktor werden damit zum Schrittmacher der
Industriealisierung von Hochdorf.

Der Sitz der Direktion der Seetalbahn war in diesem
Gebäude. Bis vor kurzem waren dort die Kleidergeschäfte
Stutz und Amberg.

Als eine der ersten schweizerischen Bahnen und als erste
Normalspurbahn wurde die Bahn in den Jahren 1909 und
1910 elektrifiziert. Aber die Einwohner von Hochdorf
konnten schon ab 1897 den Strom von der Seetalbahn
beziehen. Das EW Hochdorf wurde erst 1911 gegründet.

1922 kam die Verstaatlichung, die Bahn gehörte von nun
an dem Bund.

Theodor Lutz hatte wohl kaum daran gedacht, dass die Strasse einmal ein
Problem sein werde. Seine Überlegungen waren damals, dass der Verkehr,
die Fussgänger, die Wagen mit den Waren usw. auf die Bahn umsteigen
würden, weil sie ja viel schneller war.

Doch in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts, im Zeitalter der
Hochkonjunktur kam es anders.

Es gab immer mehr Unfälle und die 650 Bahnübergänge von Emmenbrücke
nach Lenzburg wurden für alle ein Hindernis.

So z. B. war auch der Bahnübergang in Hochdorf problematisch bis endlich
die Sanierung kam und unsere Züge heute problemlos den Bahnhof Hochdorf
verlassen können.

Hier sei noch erwähnt, dass die heutige Seetalbahn kaum realisiert worden
wäre, wenn nicht unser ehemaliger Hochdorfer Regierungsrat JOSEF EGLI
sich so stark für unsere Bahn eingesetzt hätte.

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Auskunft erteilt:
F. X. Kaufmann
Tel.: 041 / 910 36 47
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